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Russisch-deutsches Symposium zur Behindertenarbeit in Pskow

Im November fand in Pskow/Russland ein dreitägiges russisch-deutsches Symposium zum Thema „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt.

Veranstalter waren die russische überregionale Unterstützungsorganisation „Gleiche Chancen“ (NRO) für Menschen mit Behinderungen aus Pskow und der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) aus  Berlin. Neben verschiedenen deutschen Städten waren Delegierte u.a. aus Moskau, Wladimir, Nishni Nowgorod, Kaliningrad und der Erlanger Partnerstadt Wladimir angereist.

Im Vordergrund standen der Erfahrungsaustausch sowie die Planung der künftigen Zusammenarbeit zwischen verschiedenen deutschen und russischen Partnerstädten bei der Schaffung von ambulanten Betreuungs- und Pflegedienstleistungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs).

Auch aus Erlangen waren Experten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten. Für die Lebenshilfe Erlangen erschien Thomas Neumann. Jürgen Ganzmann und Arina Alstut vertraten die WAB Kosbach. Hier kooperiert man seit Jahren erfolgreich mit Partnern in Nishni Nowgorod und Wladimir.

Bei dem Symposium trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nichtregierungsorganisationen (NGO) wurden gleich zu Beginn weit entfernte Positionen deutlich.

Versinnbildlicht wurde dies durch die schwer vorstellbaren räumlichen Entfernungen, die die Teilnehmer vorab bewältigen mussten. So hatten die Delegierten aus Irkutsk eine Anreise von 6000 km zu bewältigen, die deutschen Städtepartner dagegen „nur“ 2000 km, dies entspricht auch der Anreisestrecke der Teilnehmer aus dem Kaukasus

Vorrangig diskutiert wurde, wie den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr individuellen Bedingungen begegnet werden kann. Hier waren unterschiedliche Blickwinkel nötig. Zum Beispiel versorgt der Bezirk Irkutsk ca. 2 Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands, während sich Moskau mit abermals anderen Bedingungen als Berlin konfrontiert sieht.

Eine Gemeinsamkeit verbindet jedoch: In  beiden Ländern steht ein Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe an.

Die Berichte der Teilnehmer zeigten auf, dass Initiativen der Eltern behinderter Kinder, die in Russland seit 20 Jahren regional im Aufbau sind, sich nach deutschem Vorbild der 60er- und 70er-Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Initiative „Maria“ berichtet von dem Verzicht auf staatliche Gelder, da nach der Erfüllung damit verbundener staatlicher Auflagen davon nichts für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibt.

Besondere Erwähnung verdient die Irkutsker Delegation, deren zielorientierte Zusammenarbeit von Verwaltung und Nichtregierungsorganisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen für alle Teilnehmer ein Vorbild darstellt.

Den großen Wunsch nach mehr Unterstützung des sozialen und partnerschaftlichen Engagements fasst von Jurij Katz aus Wladimir in einem einzigen Satz zusammen: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns.“

Großes Interesse fand die Besichtigung des mit deutscher Unterstützung entstandenen Heilpädagogischen Zentrums Pskow. Dieses Pilotprojekt ist ausgestattet mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, so dass Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung und somit die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht werden. Abgerundet durch den anschließenden Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“  war diese Exkursion nicht nur beeindruckend, sondern berührte sämtliche Teilnehmer.

Durch die Teilnahme an diesem Symposium konnten die Delegationen darüber hinaus die jeweiligen Städtepartnerschaften vertiefen.

Die beidseitig gemachten Erfahrungen waren so positiv, dass eine Fortsetzung unbedingt angestrebt wird. Die sehr intensive und erfolgreiche Tagung soll nach Wunsch der Organisatoren und Städtepartner bereits 2018 in Berlin ihre 4. Fortsetzung finden.

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